An eine Zeit, in der sie nicht gemalt, gezeichnet oder gewerkelt hat, kann sich Benedikta Maria Bold gar nicht erinnern. Als fünftes von acht Kindern wurde sie in eine oberschwäbische Brauereifamilie geboren, mit einem musikalischen Vater und einer Mutter, die Kunstwerke in Scherenschnitttechnik schuf. Mit Skizzenblock reiste Benedikta M. Bold im Greyhound-Bus durch die USA, und in der abgeschiedenen Welt eines Karmeliterklosters sammelte sie Kerzenreste, Holz und Ölfarben und schuf daraus eine kleine Ikone. Die Sehnsucht nach Schönheit, Ästhetik, Farben und Licht explodierte jedoch, nachdem sie 14 Jahre lang als OP-Schwester viel Zeit im fensterlosen Saal verbracht hatte. "Viele Operationen finden außerdem im Dunkeln statt, deshalb sind die meisten meiner Bilder so bunt."
Weil aus wirtschaftlichen Gründen nicht alle acht Kinder der Famile eine akademische Ausbildung machen konnte, entschied ihr Vater, "der Patriarch der Familie", wie sie ihn nennt, dass Benedikta Maria Bold nach der Handelsschule eine Arbeit suchen sollte. "Die Tätigkeit im Büro war aber nichts für mich, also bin ich zunächst für zwei Jahre als Aupair-Mädchen nach Kanada". Ihren Skizzenblock und die Aquarellfarben hatte sie natürlich im Gepäck. Nach ihrer Rückkehr arbeitete sie zunächst wieder im Büro. "Danach bin ich 15 Monate in ein Karmeliterkloster gegangen." Anschließend lernte sie Krankenschwester und spezialisierte sich zur OP-Schwester. Von 1998 an besuchte sie immer wieder Volkshochschulkurse im Bereich Kunst. Sie interessierte sich für Acrylmalerei, fürs Porträtzeichnen und vieles mehr.
Alltägliche Dinge, sagt Benedikta Maria Bold, die seit rund einem Jahr in Fellbach lebt, regten sie zum Malen und Zeichnen an. "Wenn mich etwas anspricht, dann mache ich eine Skizze. Auch draußen in der Natur stelle ich mich kurz hin und fange die Eindrücke ein." Am liebsten aber malt die Oberschwäbin, wenn sie das Motiv direkt vor Augen hat. "Dann werden die Bilder viel eindringlicher."
Experimentierfreudig ist Benedikta Maria Bold bis heute geblieben. Sie wagt sich inzwischen an Mischtechniken, Acryl und Wachsmalstifte auf einer Leinwand, und an Collagen. Sie hat begonnen, alte Möbel farblich zu gestalten, mit Spiegel und Neandermuster zu versehen, und entwirft Möbel. "Bei meinem Schuhschrank habe ich Knöpfe entworfen, die wie Schuhe aussehen."
Info: Die Bilder von Benedikta Maria Bold sind bis Ende April in der Galerie der Fellbacher Zeitung zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen.
14:59 Uhr, geschrieben von Alexandra Evans
Beeindruckend